GFW Dach

Dachdecker aus Westfalen in der Schweiz in 3000 m Höhe - Teil 1

Mit der GFW-Dach mbH erlebten sechs junge Unternehmer aus Westfalen ein Premium-Unternehmerseminar der besonderen Art. Gegenstand und Ziel des Seminars war die neue Monte Rosa-Hütte im Kanton Wallis auf 2883 m Höhe. Seit 2009 steht dort eine Schutzhütte für Bergsteiger und Wanderer, die ihresgleichen sucht. Durch das Gemeinschaftsprojekt der Eidgenössischen Hochschule Zürich (ETH) und dem Schweizer Alpen Club (SAC) entstand ein herausragendes Bauwerk, das ein innovatives Energiemanagement und eine optimierte Nachhaltigkeit zukünftiger Bauweisen manifestiert.

Am 28.08.2012 traten Stephan Eickhoff (Vizepräsident des ZVDH), Rüdiger Albrecht, Peter Burmann, Jörn Hoose, Herbert Risse und Oliver Weller unter der Seminarleitung von Jürgen Gerbens, Prokurist der GFW-Dach mbH, die Bildungsreise in die Schweiz an.

29.08.2012: Fachvorträge zur Monte Rosa-Hütte in Zürich

Zunächst führte der Weg nach Zürich. Dort fand im Hotel Engimatt der erste, theoretische Teil des Premium-Unternehmerseminars statt. Die Vortragsveranstaltungen wurden durch Dipl.-Architekt Marcel Baumgartner eröffnet. In seinem spannenden und brillanten Vortrag berichtete Herr Baumgartner als Dipl.-Architekt über seine Mitarbeit an der Planung und dem Bau der neuen Monte Rosa-Hütte. Von der Standortauswahl, über die Regelkreise des Energiemanagements bis hin zur Montage in der hochalpinen Region des Monte-Rosa-Massivs verdeutlichte Herr Baumgartner die einzelnen Schritte in Wort und Bild. Fragen der Teilnehmer zu der Lösung von Detailpunkten beantwortete Herr Baumgartner umfassend und kompetent. Besonders interessant waren die Projektbilder aus einzelnen Entstehungsphasen der Berghütte. Mit Felsankern, Punktfundamenten und einem zehneckigen Zentralfundament wurde das Gebäude mit dem Gestein eines Gratrückens unterhalb der Dufourspitze verankert. Windgeschwindigkeiten bis 250 km/h muss die Konstruktion aus rund 420 vorkonfektionierten Holzbauteilen widerstehen. Die Planung der selbsttragenden Konstruktion der Innenräume und eine statisch ausreichend bemessene Fassadenkonstruktion ermöglichten diese große Widerstandskraft. Auch logistisch war der Bau der Schutzhütte eine Herausforderung, da jedes Bauteil mit aufwändigen Hubschrauberflügen in die große Höhe gebracht werden musste.

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Bezogen auf das Energiemanagement setzte die Monte Rosa-Hütte neue Maßstäbe. Photovoltaikmodule und Solarthermiemodule ermöglichen eine weitgehende Energieautarkie. Nur für sonnenarme Tage und Monate unterstützt ein mit Biodiesel betriebenes Blockheizkraftwerk die Energieversorgung der Hütte. Der nachhaltige Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen führt dazu, dass durch den Bau der Berghütte das empfindliche Ökosystem des Hochgebirges nicht beeinträchtigt wird. Ein Beispiel ist u.a. das in einer Felskaverne gesammelte Schmelzwasser des Gletschers, das nach dem Gebrauch in der Hütte vollständig aufbereitet und geklärt wieder an das Ökosystem abgegeben wird.

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Die kasakenförmigen Fensteranlagen und die integrierte Photovolatikanlage der Fassade erläuterte Herr Dino Rossi vom Unternehmen Wicona in seinem Vortrag über die neue Monte Rosa-Hütte. Sehr viel Planungsarbeit und Detailvielfalt mussten in die Bauteile einfließen, um das sensible Gleichgewicht der außergewöhnlichen Architektur und der Erfordernisse der solaren Energiegewinne nicht zu zerstören. Ferner entstand ein Regelungszyklus für die Aufladung der Energiesysteme und den Einsatz der hauseigenen Kläranlage, der in Abhängigkeit der Besucherzahl individuell gesteuert werden kann.

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Den ungewöhnlichen Einbau von Dachflächenfenstern in den Fassadenkonstruktionen erklärte Felix Egger vom Unternehmen Velux. Die mit zwei Griffsystemen ausgestatteten Fenster sind luft- und dampfdicht in die Fassaden integriert worden. Durch die Einfassung mit Metalleindeckrahmen und einem flächenbündigen Einbau sind Fensterflächen entstanden, die für die notwendige Belichtung der Schlafräume sorgen und sich gleichzeitig harmonisch in das gesamte Fassadensystem einpassen.

Ganz auf Augenhöhe war der Vortrag von Klempnermeister Peter Stadler. Im fachtechnischen Gespräch zwischen den Handwerksmeistern und Unternehmern aus Deutschland erklärte Herr Stadler, wie er mit seinem Unternehmen Arnold AG im Winter bereits alle Scharen des späteren Bekleidungssystems aus Aluminium anhand von EDV-Plänen vorgefertigt hatte. In nur 5 ½ Wochen montierte der Klempnermeister und ausgebildete Bergführer Stadler alle Bleche der Außenhaut. Wie ein Bergkristall leuchtet die Berghütte seither aufgrund der silbern glänzenden Außenhülle und ist daher schon von weitem auf dem Gratrücken oberhalb des Grenzgletscher zu sehen.

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